Katholische Pfarrgemeinde  Dom zum Heiligen Kreuz

Nordhausen

Pfingsten

Pfingstgruß des Pfarrers – von Pfarrer Steffen Riechelmann

Ist Kirche langweilig? Ich weiß es nicht. Aber das Erscheinungsbild der Kirche unserer Zeit könnte mehr vom produktiven Chaos der jungen Kirche gebrauchen. Die Apostelgeschichte berichtet zum Pfingstfest vom Anfang der Kirche (Apg 2,1-11). Es sind die Jüngerinnen und Jüngern, die das Evangelium in alle Welt tragen, nachdem sie den Heiligen Geist empfangen haben. Und der Schwung ist atemberaubend.

Und heute? In der Kirche wirkt alles so eingefahren, als hätten wir auf alles eine Antwort, alles muss in geregelten Bahnen ablaufen. Das ist nicht nur das Problem der Amtskirche. Wir sehen doch vor Ort wie schwer es uns fällt, uns auf die geänderte Situation einzustellen. Für das Weiterlaufen des Gewohnten wird so viel Energie aufgewendet. In der Corona-Zeit ist dies besonders deutlich geworden. Nicht wenige Gläubige waren kaum in der Lage, zu Hause, ohne Pfarrer und ohne Gemeinschaft, zu beten. Ist das nicht ein Alarmsignal?

Unser kirchliches Leben ist zu sehr auf Erhalt und Bewahrung ausgelegt. Viele in unseren Gemeinden wollen versorgt werden: vom Pfarrer oder den Mitarbeitern, der Amtskirche, den Gremien. Aufgrund der sich ändernden Situation erzeugt das bei allen, den Gremien und den Hauptamtlichen, aber auch bei den Gläubigen Frustration. Und damit geben wir der nachfolgenden Generationen nicht gerade das Gefühl, dass das Leben in und mit der Kirche Gottes sonderlich attraktiv ist. Doch darum geht es. Um unser glaubwürdiges Zeugnis in einer Welt, die auf genau dieses Zeugnis wartet.

Ist Kirche langweilig? Ja, sie wird langweilig werden, wenn sie nur eine versorgende Kirche ist. Dann bleibt alles wie immer. Unsere Zeit braucht eine sorgende Kirche. Und Gemeinden, die nicht nur um sich selbst kreisen, sondern die Menschen unserer Welt im Blick haben.

Ist Kirche langweilig? Nein, sie ist es nicht, wenn wir ernst machen mit dem Evangelium. Jetzt ist die Zeit da, auf neuen Wegen loszugehen: Der Geist ist uns gesandt. Als Gemeinde dürfen wir aus dem Bewusstsein leben, dass der Auferstandene und sein Geist unter uns leben. Wenden wir unseren Blick nach vorn in die Zukunft, um aus der gestalterischen Kraft des Heiligen Geistes neue Wege zum Heil zu gehen - Wege, die vielleicht ungewöhnlich sind, Wege, die uns keiner zugetraut hätte; Wege, die manch anderem vielleicht fremd erscheinen. Jede und jeder von uns kann seine Talente und Fähigkeiten einsetzen und um ein glaubwürdiges Zeugnis der Frohbotschaft besorgt sein. Und das klappt - wenn wir immer neu auf diese eine Bitte setzen:

"Sende aus deinen Geist - und das Antlitz der Erde wird neu.“

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