Katholische Pfarrgemeinde  Dom zum Heiligen Kreuz

Nordhausen

Wort des Pfarrers


Liebe Gemeindeglieder, liebe Leserinnen und Leser dieser Seite,

Pfingsten – die Kirche feiert Geburtstag. Aber wer feiert schon gern ein Fest in der Krise? Ja, inmitten von Corona-Krise, Klimakrise und diversen anderen Krisen sehen wir die Kirche in einer schweren Krise. Sicher zum Teil selbst verschuldet. Manches zeitbedingt, doch Krise bleibt Krise. Das Pfingstereignis damals weist Parallelen zur heutigen Stimmungslage auf.

Pfingsten in Jerusalem. Hier sehen wir keine Massen-veranstaltung, vielmehr wenige Menschen mit Furcht, die sich aus Angst vor ihrer feindlich eingestellten Umgebung eingeschlossen haben. Das war für viele ernüchternd und enttäuschend. Und das, obwohl sie dem auferstandenen Herrn begegnet sind. Klingt irgendwie auch nach Krise - oder?

Pfingsten ist das Fest, an dem es mit der Jüngerschaft dann eigentlich konkret wird. Pfingsten ist ein Fest der Sendung. Die Jüngerinnen und Jünger werden hinausgesandt, um das Evangelium in die Welt zu tragen. Und sie brechen auf, gehen los, reden zu den Menschen, wirken Wunder, heilen. Ganz ohne Studium und Aufbaukurse, ohne bürokratische Erwägung und ohne dogmatische Verengungen. Eben so, wie Jesus es gelehrt hat. Raus aus dem geschützten Raum. Rein in die Welt.

Damals wie heute gilt: das Evangelium muss unter die Leute. Pfingsten ist ein konkretes Fest, ein Fest des Handelns. Wer sich dem Evangelium verschreibt und es versucht in die reale Lebenswelt umzusetzen macht sich verletzlich. Zu sehr ist unsere Welt von menschlichen Maßstäben geprägt. Die Jüngerinnen und Jünger werden ihrer Sendung treu bleiben, gestärkt durch den Beistand, den Heiligen Geist, den Jesus ihnen verheißen hat, und bezahlen oft mit ihrem Leben.

Das Pfingstfest heute muss für alle, die sich als Christen begreifen, ein Anlass sein, dass auch wir uns neu auf den Auftrag und Sinn von Kirche besinnen. Und zwar ganz konkret. Wo verwirklichen wir die Botschaft Jesu, gestärkt vom Heiligen Geist, mitten im Leben?

Pfingsten ist radikal. Es ist Auftrag an uns. Ja, und es gibt den Gegenwind, den das Evangelium bekommen wird und immer hatte. Aber vielleicht wäre es ganz gut für unsere Kirche, wenn wir wieder einmal dadurch ins Gerede kommen, weil wir pfingstlich unsere Zeichen und Handlungen setzen, mitten im Alltag.

Ich wünsche uns allen den Mut, den Reichtum des Evangeliums neu zu entdecken und die frohe Botschaft Christi in diese Welt zu tragen. Diese Welt braucht die Botschaft der Liebe und Barmherzigkeit Gottes mehr denn je.

Ein gesegnetes Pfingstfest und segensreiche Frühlingszeit wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Steffen Riechelmann                 


Foto rechts: jeffjacobs1990 / Pixabay.com - Lizenz

E-Mail
Anruf
Karte
Infos