Katholische Pfarrgemeinde  Dom zum Heiligen Kreuz

Nordhausen

Liturgie - Impuls

 

 

Foto: Peter Kane



An die Geschichte vom Konflikt, von der beharrlichen Witwe und dem ungerechten Richter schließt Lukas gleich eine Übertragung an:

Wie die Witwe nicht darin nachlässt, dem Richter sprichwörtlich auf den Wecker zu gehen, so sollen wir uns Gott gegenüber verhalten: Nicht nachlassen.

Auch wenn Gott schweigt, auch wenn er uns nicht beizustehen scheint, auch wenn Gott uns in schwierigen Situationen leben lässt:
Wir dürfen nicht aufhören, auf ihn zu hoffen, zu ihm zu rufen. Dann wird er uns noch glaubend antreffen. Schauen wir uns selbst ins Gesicht und in die Gesichter unserer Brüder und Schwestern: Können wir das glauben?



Ausgelegt!
Bibelwort: Lukas 18,1-8 (zum Evangelium vom 29. Sonntag im Jahreskreis)

Ein Schlüssel zum Verständnis dieses Evangeliums ist – auch vor dem Hintergrund eigener Gebetserfahrungen – das Begriffspaar „Gebet und Glaube“. Mein Beten geht ins Leere, wenn ich Gott nicht zutraue, dass er mich hört und mich auch erhört. Und Gott zu vertrauen, heißt nicht, dass ich meine Anliegen nicht mehr vor ihn bringen muss, weil Gott sowieso alles von mir weiß. Das ist so, doch das enthebt mich – meiner Ansicht nach – nicht der Pflicht, still zu werden, mir Zeit zu nehmen, meine Gedanken zu sortieren, mich meiner Bitten und Wünsche, meiner Ängste und Sorgen bewusst zu werden und all das dann in Worte zu gießen und vor Gott zu bringen. Zu glauben und zu beten sind nicht voneinander zu trennen.

Doch Vorsicht: Der Umkehrschluss gilt nicht. Heißt: Wenn meine Gebete nicht erhört werden, dann habe ich nicht zu wenig geglaubt. Denn Beten – und sei es noch so sehr von Glauben und Vertrauen durchdrungen – setzt bei Gott keinen Automatismus in Kraft. Dass Gott mich hört und mich erhört – Ja. Wie und wann Gott mich erhört, liegt in seiner Hand. Denn Gott hat Möglichkeiten, die ich nicht einmal erahnen kann. Er weiß, was für mich besser ist. Und will nur mein Bestes. Darauf darf ich vertrauen. Darauf muss ich manchmal vertrauen. 

Michael Tillmann

 Quelle: Bergmoser + Höller Verlag AG

Foto: Peter Kane

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