Katholische Pfarrgemeinde  Dom zum Heiligen Kreuz

Nordhausen

Liturgie - Impuls

 


Malte Hagen Olbertz

Der Kirche steht das Wasser bis zum Hals, meinen viele. Gestritten wird um die richtige Antwort auf diese Situation. Im Boot bleiben und versuchen den Sturm auszusitzen oder: Petrus – und vom Schifflein Petri, also der Kirche, wird man später einmal sprechen – verlässt das Boot. Unglaublich! Der sich aus dem Schwankenden ins Bodenlose hinauswagt, wird später zum Fels in der Brandung. Der den Blick in den Abgrund riskiert und die Angst kennengelernt hat, wird später seine Brüder im Glauben stärken. Der, der die Erfahrung machen durfte, dass es im Glauben letztlich nicht auf die Größe ankommt, sondern dass man sich überhaupt in Bewegung bringen lässt, der durfte auch erleben, dass uns Jesus auch dann noch erreicht, wenn wir uns selbst überschätzt haben und in Ängsten zu versinken drohen.

Bibelwort: Matthäus 14,22-33 (zum Evangelium vom 19. Sonntag im Jahreskreis)

AUSGELEGT!

Warum kann Jesus eigentlich auf dem See wandeln und Petrus nicht? Darf ich so fragen? Nun, es geht mir nicht darum, dass Unerklärliche zu erklären, sondern darum, aus dieser Erzählung etwas für mein Leben zu lernen. Denn der Schritt aus dem Boot heraus war für Petrus, ist für mich enorm wichtig. Ohne den Schritt hinaus, wird mein Glaube zur Schwärmerei – doch wie kann ich ihn wagen?

Zunächst einmal, indem ich bereit bin, mir meine eigene Ohnmacht, meine Abhängigkeit, meine Schwäche, in der Gott stark sein kann, einzugestehen. Und indem ich bereit bin, von Jesus zu lernen. Er sucht die Einsamkeit, die Stille und das Gebet. Ich glaube, das sind seine Kraftquellen und sind auch meine. Es gibt ja die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm. Vertrauen kommt nicht von selbst, Vertrauen braucht Ruhe und Gebet. Die überaktiven Jünger, die nach dem Erlebnis der wunderbaren Brotvermehrung direkt aufbrechen und bei unruhiger See auch in der Nacht nicht zu Ruhe kommen, sie erkennen Jesus zuerst nicht, als er über das Wasser auf sie zukommt. Sie halten ihn für ein Gespenst. Erst als Jesus mit ihnen redet – wenn wir beten, reden wir mit ihm und er mit uns – beruhigen sie sich und fassen neues Vertrauen.

Michael Tillmann


Quelle: Bergmoser & Höller Verlag AG
Grafik: Malte Hagen Olbertz

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