Seelsorge - Kreuz & Quer
Wer sein Weihnachtsevangelium kennt, weiß, was auf dem Spruchband steht, das der Fotograf so sträflich abgeschnitten hat: „Siehe, ich verkünde euch große Freude …“ (Lukas 2,10).
Nun gehe ich davon aus, dass der Fotograf nicht nur einfach ungeschickt war, sondern die Bildkomposition Absicht ist – dennoch: verdient er nicht einen Tadel? Warum mitten hinein in die Weihnachtsfreude, die wir doch bei aller Angst und aller Sorge (und 2025 hatte davon nicht wenig „im Gepäck“) wirklich brauchen und verdienen, das Kreuz, das Leid, den Tod? Hat der Philosoph Friedrich Nietzsche doch Recht, wenn er sagt: „Die Christen müssten mir erlöster aussehen. Bessere Lieder müssten sie mir singen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte.“
Jetzt soll es aber nicht um Stimmung gehen, nicht um Atmosphäre, sondern um Theologie (oh Gott!): Ist nicht die Tatsache, dass Gott Mensch geworden ist, Grund genug für große Freude auch ohne sein Erlösungshandeln durch Kreuzestod und Auferstehung? Da ist Wahres dran – und dennoch: Gott wird Mensch mitten hinein in die Gewalt und das Unrecht, wird selbst Opfer, um Retter und Erlöser aller zu sein.
Das ist das Lied, das Christen singen, das Lied der Erlösung und der Rettung – und deshalb sind Christen Meister der Freude.
Quelle: Image-Online; Bergmoser + Höller Verlag AG
Foto: Michael Tillmann
