Katholische Pfarrgemeinde  Dom zum Heiligen Kreuz

Nordhausen

Liturgie - Der Zweite Blick

 


Foto: Michael Tillmann +

Jesus lässt den Zorn heraus, er ereifert sich. Und das, obwohl doch alles schiedlich-friedlich im Vorhof des Tempels stattfindet. Im Zentrum des Tempels geht’s würdevoller zu, und im Allerheiligsten, zu dem Jesus keinen Zutritt hat, ist alles mucksmäuschenstill und erhaben leer. Da, im Allerheiligsten, da wohnt Gott. Und solange das Allerheiligste geschützt ist, geht alles mit rechten Dingen zu. Dennoch: Dieses Drumherum ist Jesus zuwider. Er will, dass es einfach – still wird – schon im Vorhof des Heiligtums. Und darum befreit er den Zugang zum heiligsten Ort seines Glaubens von allen Requisiten und macht die Stätte zur Bühne – für sich. Er behauptet: In mir wohnt die Herrlichkeit Gottes! ER ist der Tempel Gottes – und nicht der Tempel aus Stein und auch nicht die Kirche!


Der Tempel, in dem Gott mit seiner Gewalt und nach seinem Willen herrschen will, das ist des Menschen Seele. Darum will Gott diesen Tempel frei haben, sodass rein nichts mehr in ihm sein soll als Er selbst.

Meister Eckhart




© 7 Wochen Ohne/Getty Images

„Komm rüber! Sieben Wochen ohne Alleingänge“. So lautet das Motto der Fastenaktion 7 Wochen ohne 2024. Ein Motto, das Fragen stellt: Wie schaue ich auf mein Leben, das hin- und herschwingt zwischen mir und den anderen, den anderen und mir? Auf welche Alleingänge kann ich verzichten? Wo brauche ich die Einsamkeit und das stille Nachdenken?



Bibelwort: Johannes 2,13-25 (zum Evangelium vom . Fastensonntag)

AUSGELEGT!

Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!
Mit der Vertreibung der Händler und Geldwechsler aus dem Tempel setzt Jesus ein deutliches Zeichen gegen die Kommerzialisierung der Religionsausübung. Oder geht er noch weiter? Kritisiert er den Kult als solches? Denn der Verkauf reiner Opfertiere und der Wechsel unterschiedlicher Währungen in die tyrische Doppeldrachme (die einzig anerkannte Tempelwährung), um die Tempelsteuer bezahlen zu können, waren für die Ausübung des Kultes unverzichtbar. Im Gespräch Jesu mit der Frau aus Samaria am Jakobsbrunnen (Johannes 4) relativiert er den Kult in Jerusalem und sagt: „Aber die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden.“ Dabei ist mitzubedenken, dass bei der Abfassung des Johannesevangeliums der Tempel in Jerusalem schon zerstört war.
Ich denke, es kommt auf das richtige Maß an. Auch in der christlichen Geschichte hat es Phasen gegeben, in denen der Kult überbetont wurde. Heute tritt er – allein aufgrund der schwindenden Gottesdienstbesucher – in den Hintergrund. Leider, denn feste Orte, Zeiten und Formen helfen dem Menschen, Gott zu begegnen und die Gottesbeziehung in einer notwendigen Kontinuität zu leben.

Michael Tillmann

Bild im Header: siehe Seite "Liturgie"
Text- und Bildquelle: Bermoser + Höller Verlag AG
Bild 1: Foto: Michael Tillmann
Bild 2: © 7 Wochen Ohne/Getty Images

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