Katholische Pfarrgemeinde  Dom zum Heiligen Kreuz

Nordhausen

Liturgie - Der Zweite Blick

 


Klarheit und Entschiedenheit 

Es geht im Evangelium des Sonntags nicht nur um richtiges und falsches Verhalten, sondern es geht auch darum, dass Reden und Handeln übereinstimmen. Es geht um Klarheit. Da hapert es bei beiden Söhnen. Nehmen Sie das Bild einer Weiche in der Zugfahrt Ihres Lebens. Ist eine Weiche nicht klar nach rechts oder links gestellt, sondern irgendwo in die Mitte, kommt es zur Katastrophe: der Zug des Lebens entgleist. Deshalb ist Klarheit so wichtig. Und deshalb sagt Jesus an anderer Stelle: Euer Ja sei ein
                                                                                              Ja und euer Nein ein Nein.

Bibelwort: Matthäus 21,28-32 (zum Evangelium vom 26. Sonntag im Jahreskreis)

AUSGELEGT!

Warum der Vergleich mit den Dirnen und den Zöllnern? Für die Hohepriester und die Ältesten – die ersten Ansprechpartner Jesu – eine ungeheure Provokation. Doch es ist mehr als eine Provokation. Vorbildfunktion werden Dirnen und Zöllner nicht einnehmen, doch zumindest in einem doch Maßstab sein: In der Fähigkeit, sich selbst infrage zu stellen.

Darum geht es Jesus – glaube ich – in diesem etwas brachial gezeichneten Gleichnis. Um die Fähigkeit, sich selbst, seine Überzeugungen und sein Handeln, infrage zu stellen. Das macht der Erste der beiden Söhne. Er stellt seine Antwort an den Vater infrage und korrigiert sich. Und das soll der Zweite der beiden Söhne auch machen: Sein Verhalten infrage stellen und so handeln, wie er gesprochen hat.

Sich infrage stellen, sollen auch die Hohepriester und die Ältesten. Ihren Rang, ihr Wissen, ihre Erfahrung, ihre Frömmigkeit.

Und infrage stellen soll ich mich selbst. Alles: meine Überzeugungen und mein Verhalten. Ein zuweilen schmerzhafter Prozess, wenn ich feststelle, dass nicht alles so im Reinen ist, wie ich von mir selbst gemeint habe. Und mich dann ändern. Denn es ist das, was Jesus an den Dirnen und Zöllner lobt: Dass sie zur Einsicht und zur Umkehr bereit sind. 

Michael Tillmann


Quelle: Bergmoser + Höller Verlag AG
Foto: Michael Tillmann

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