Katholische Pfarrgemeinde  Dom zum Heiligen Kreuz

Nordhausen

Liturgie - Der Zweite Blick

 



Das Verhalten der Jünger vor 2.000 Jahren erscheint auch heute noch fremd.

Auf den Ruf eines fremden Zimmermannes lassen sie alles stehen und liegen. Sie sind von seiner einzigartigen Person fasziniert und mitgerissen. Sie sollen fortan nicht mehr Fische fangen, sondern als Menschenfischer ihre Profession ändern. Für die alteingesessenen Fischer bedeutet die Begegnung mit Jesus einen Wendeplatz in ihrem Leben. Sie lassen ihr altes Leben hinter sich und fangen ein neues an. Sie machen sich auf in ein unbekanntes Abenteuer. Sie haben keine Absicherung, wie sie denn von nun an für ihr tägliches Brot sorgen sollen. Ihre einzige Zusicherung ist Jesus und sein Wort.


Bibelwort: Markus 1,14-20 (zum Evangelium vom 3. Sonntag im Jahreskreis)

AUSGELEGT!

Der Evangelist Markus ist in der Regel kein Freund vieler Worte. Von den vier Evangelien ist seines das mit Abstand am kürzesten, kurz und knackig in der Schilderung des Lebens und Wirkens Jesu. So auch in der Geschichte von der Berufung der ersten Jünger. Ganze zehn Worte: „Kommt her, mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen!“ Und Simon und Andreas sowie Jakobus und Johannes werfen ihr bisheriges Leben über Bord, fangen komplett neu an.

Kann das so gewesen sein? Werden sich die beiden Brüderpaare nicht zuerst untereinander und mit ihren Familien beraten haben? Der Vater von Johannes und Jakobus war vor Ort; von Petrus wissen wir, dass er verheiratet gewesen ist. Haben sie keine Rückfragen gestellt: Wohin geht es, Jesus? Wann kehren wir zurück? Und überhaupt: Was heißt das – Menschenfischer?

Von all dem berichtet der Evangelist nichts. Nur der Kürze geschuldet oder vielleicht, weil es in seinen Auge nicht wichtig ist? Weil es darauf nicht ankommt? Der Berufene ist es nicht aus eigener Kraft, sondern weil Gott ihn ruft.

Bin ich denn gar nicht daran beteiligt?, mögen Sie vielleicht fragen. Doch. Mein Anteil, meine Aufgabe steht in den ersten Worten, die Jesus im Markusevangelium spricht: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ Mehr nicht, aber auch nicht weniger.

Peter Kane


Quelle: Bergmoser + Höller Verlag AG
Foto: Gerhard Zinn

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