Katholische Pfarrgemeinde  Dom zum Heiligen Kreuz

Nordhausen

Liturgie - Der Zweite Blick

 


Foto: picture alliance/Westend61|Spectral


Jesus hat gebrannt vor Liebe. Anders sind rastloses Heilen, Weg ans Kreuz, Bereitschaft zum Leiden, zum Sterben gar nicht zu verstehen. Das Evangelium, die frohe Botschaft, sie ist feurige Botschaft, die Jesus auf die Erde wirft. Verständlich wenn er sich wünscht, dieses Feuer würde schon brennen: In uns. Brennen vor Liebe. Vor einer Liebe, die vielleicht Streit hervorruft, doch diesen auch überwinden wird.


Bibelwort: Lukas 12,49-53 (zum Evangelium am 20. Sonntag im Jahreskreis)

AUSGELEGT!

„Oh wie schrecklich!“ Diese Reaktion auf das Evangelium vom Feuer, vom Streit, von der Spaltung ist – glaube ich – gar nicht so selten. Widersprechen diese Worte Jesu doch so ganz dem Geist, der sich in vielen christlichen Gemeinden eingenistet hat: Bloß keinen Streit. Was sollen denn die Leute denken, möchte ich ein wenig sarkastisch ergänzen. Ja, was könnten sie denken im Blick auf die Gemeinden? Dass da vielleicht kein Feuer mehr drin ist, sondern höchstens ein glimmender Docht, ein laues Lüftchen …
Das Evangelium spiegelt die Situation der ersten Christen wider. Zu Beginn des Christentums hat der Glaube tatsächlich Familien und Freunde gespalten. Zu neu, zu unerhört war die Botschaft Jesu. Streit und Spaltung sind natürlich nicht erstrebenswert, doch sie können und dürfen nicht auf Kosten der Botschaft vermieden werden. Diese ist viel wichtiger und auch viel friedensschaffender als eine künstliche Harmonie. Denn diese Harmonie erstickt jedes Feuer, und am Ende ist die einst radikale Botschaft Jesu so belanglos rund geschliffen, dass sich der Streit um sie nicht mehr lohnt. Was für eine gruselige Vorstellung.

Michael Tillmann


Quelle: Bergmoser + Höller Verlag AG
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Bild im Header: © Herrad von Landsberg / cc0 – gemeinfrei / Quelle: commons.wikimedia.org



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